Auslaufmodell Paternoster?

Personenumlaufaufzüge, auch Paternoster genannt, haben einen besonderen historischen Charme. Während gewöhnliche Aufzüge sich nur vertikal bewegen, werden Paternoster im Umlauf betrieben. Sind diese Aufzüge schon heute nur noch selten zu finden, könnten sie demnächst ganz vom Aussterben bedroht sein. Der Grund ist der aktuelle Referentenentwurf der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV). Er erlaubt die Nutzung der Paternoster nur den im Gebäude beschäftigten Mitarbeitern.

Referentenentwurf der BetrSichV: Paternoster nur für Beschäftigte

In dem Entwurf heißt es wörtlich: „Der Arbeitgeber hat dafür Sorge zu tragen, dass Personenumlaufaufzüge nur von Beschäftigen benutzt werden.“ Wird der Entwurf in seiner jetzigen Form umgesetzt, stellt er die Betreiber von bestehenden Paternostern beziehungsweise die Eigentümer der Immobilien vor fast unlösbare Herausforderungen. Dürfen nur noch die in den Gebäuden angestellten Mitarbeiter die Personenumlaufaufzüge nutzen, müssen für Besucher reguläre Aufzüge eingebaut werden, damit die Barrierefreiheit der Gebäude gewährleistet bleibt. Denn in vielen Fällen werden Paternoster in öffentlichen Gebäuden wie Bibliotheken oder Ämtern betrieben. Zwei verschiedene Aufzüge einzubauen ist jedoch aus Kosten- und Platzgründen häufig nicht möglich. Die Folge: Paternoster werden mittelfristig aus deutschen Gebäuden verschwinden.

Paternoster: Totgesagte fahren länger

Mit dem Verschwinden der Paternoster würde ein besonderes Stück Aufzugsgeschichte zu Ende gehen. Sowohl die Entwicklung der Personenumlaufaufzüge als auch deren Bezeichnung sind außergewöhnlich. Der Name Paternoster spielt auf seine Bauweise an. Die Personenkabinen sind hintereinander an einer Kette installiert. Das Prinzip ähnelt der Aufreihung der Perlen an einem katholischen Rosenkranz zum Abzählen der Gebete Ave Maria und Vater Unser, auf lateinisch Paternoster. Erfunden wurde der Personenumlaufaufzug im 19. Jahrhundert in England. Das Londoner Postamt kam 1876 in den Genuss des ersten Paternosters der Welt. Dieser wurde zunächst jedoch nur für Pakete verwendet. Der erste Umlaufaufzug zur Personenbeförderung wurde 1884 in Betrieb genommen. Zwei Jahre danach kam der erste deutsche Paternoster im Dovenhof in Hamburg zum Einsatz.

Ein Problem beim Betrieb des Personenumlaufaufzugs war von Beginn an das vergleichsweise hohe Sicherheitsrisiko: Wer nicht schnell genug aus- und einsteigen kann, riskiert Unfälle. Aus diesem Grund wurde der Bau von Paternostern in Deutschland 1974 untersagt. Bestehende Anlagen durften jedoch weiter in Betrieb bleiben. Ab 2004 sollten die historischen Aufzüge dann ganz verboten werden. Die Beliebtheit der Paternoster machte dem aber einen Strich durch die Rechnung. Der “Verein zur Rettung der letzten Personenumlaufaufzüge”, der für diesen Anlass ins Leben gerufen wurde, konnte das Verbot verhindern. Ob der Verein auch nun wieder aktiv wird um den Pater Noster zu retten, bleibt abzuwarten.