Genaue Zahlen über die Anzahl von Aufzügen in Deutschland gibt es leider nicht. Um ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, hat Hundt Consult mit Unterstützung von ImmobilienScout24 und dem Projektentwickler Terragon die Studie „Aufzugsarmut: Wie altersgerecht sind Deutschlands Wohnhäuser?“ erstellt. Das Ergebnis: In Deutschland müssen zehn Millionen Seniorenhaushalte in Wohnungen leben, die keinen altersgerechten Aufzug haben. Etwa 400.000 Wohngebäude müssten nachträglich mit einem Aufzug ausgestattet werden, um ausreichend Wohnungen mit barrierefreiem Aufzug für Senioren bereitstellen zu können. Die Kosten dafür belaufen sich auf insgesamt 32 Milliarden Euro.

Nachrüsten lohnt sich

Auf den ersten Blick wirkt das Investitionsvolumen sehr hoch. Die Investition dürfte sich aber für die Wohnhaus-Eigentümer schnell amortisieren, da eine Wohnung mit Aufzug einen Mietaufschlag rechtfertigt. Ein Rechenbeispiel für ein Altbau-Wohnhaus aus dem Jahr 1920 mit sieben Stockwerken in Berlin-Steglitz: Ein Aufzug rechtfertigt hier laut Mietspiegel einen Mietaufschlag von 20 Prozent. Bei einer Miete von sechs Euro pro Quadratmeter entspricht dies 1,20 Euro. Ein Wohnhaus mit 1.500 Quadratmetern Wohnfläche exklusive Erdgeschosswohnungen hätte daher im Jahr Mehreinnahmen von 21.600 Euro. Die Aufzugsnachrüstung kostet im Schnitt etwa 80.000 Euro. Die Investition hätte sich dann schon nach etwa vier Jahren amortisiert.

Wie viele Aufzüge gibt es?

Ein Nebenprodukt der Studie: Wir haben nun eine Vorstellung davon, wie viele wohnungswirtschaftlich genutzte Aufzüge in Deutschland existieren und wie viele davon altersgerecht sind, also einen stufenlosen Zugang zu den Wohnungen ermöglichen. Der Anteil an Wohnungen mit Aufzug beziehungsweise altersgerechtem Aufzug für 418 deutsche Städte basiert auf Objekten, die auf ImmobilienScout24 zur Miete oder zum Kauf angeboten wurden.

München hat mit 50,5 Prozent den höchsten Anteil an Aufzügen in Wohnhäusern. Knapp dahinter liegen Berlin mit 45,2 Prozent und Freiburg im Breisgau mit 42,5 Prozent. Es fällt auf, dass im Ranking der Städte mit den höchsten Aufzugsquoten zwölf bayerische Städte unter den Top 20 landen. Nach Berlin ist Dresden auf dem elften Rang und mit einer Quote von 33,5 Prozent die erste ostdeutsche Stadt. Auffallend ist, dass insbesondere im Osten der Republik Aufzüge fehlen. In Halle an der Saale verfügen nur 15,1 Prozent der Wohnungen über einen Aufzug. In Chemnitz sind es mit 16,6 Prozent auch nicht deutlich mehr. In Jena hat jede fünfte Wohnung einen Aufzug. In Potsdam und Leipzig sind immerhin ein Viertel der Wohnhäuser mit Aufzügen versorgt.

Altersgerechte Aufzüge

Im Fokus der Studie stehen altersgerechte Aufzüge. Deutschlandweit verfügen nur schätzungsweise 1,6 Millionen von insgesamt etwa 21 Millionen Wohnungen in Gebäuden mit drei oder mehr Wohneinheiten über einen altersgerechten Aufzug. Von insgesamt 418 untersuchten deutschen Städten haben Freiburg mit 18,3 Prozent, Fulda mit 16,9 Prozent und Karlsruhe mit 16,7 Prozent den höchsten Anteil an altersgerechten Aufzügen in Wohnhäusern. In deutschen Metropolen ist diese Quote meist nur einstellig. Am besten stehen Berlin mit 11,5 Prozent und München mit 10,4 Prozent da. Stuttgart (8,9 Prozent), Köln (8,8 Prozent), Frankfurt (7,9 Prozent) und Hamburg (6,8 Prozent) fallen deutlich von den Spitzenreitern ab. Das Schlusslicht bildet Düsseldorf mit fünf Prozent. Keine der Immobilienhochburgen schafft es bei diesem Ranking unter die Top 20 der Städte mit der höchsten Quote an Wohnungen mit altersgerechtem Aufzug. Berlin ist auf Rang 26 die erste deutsche Großstadt, gefolgt von München auf Rang 41 und Stuttgart auf Platz 64.

Ähnlich schlechte Aufzugsquoten im Osten

Bei altersgerechten Aufzügen ist die Situation in Ostdeutschland nur marginal schlechter als in den westdeutschen Städten. Jena (13,2 Prozent) und Dresden (12,7 Prozent) sind sogar unter den Top 20. Potsdam ist mit 8,8 Prozent schon deutlich schlechter versorgt. In Halle an der Saale und Leipzig haben etwa vier Prozent der Wohnungen einen altersgerechten Aufzug. Besonders wenige Aufzüge hat Görlitz. Die sächsische Grenzstadt in der Oberlausitz ist bei Senioren aus ganz Deutschland als Alterswohnsitz sehr beliebt. Mit 5,8 Prozent haben allerdings nur sehr wenige Wohnungen überhaupt einen Aufzug, ganz zu schweigen von einem altersgerechten Aufzug.

Fazit: Problemlöser Aufzug

Die Studie zeigt: In Deutschland gibt es zu wenige altersgerechte Aufzüge, die oft die Voraussetzung dafür sind, dass Menschen zu Hause alt werden können. Kaum
jemand zieht freiwillig in ein Heim. Dennoch müssen viele Menschen dorthin umziehen, die mit einem Aufzug und ein wenig Hilfe womöglich noch jahrelang zu Hause wohnen bleiben könnten. Die Kosten, die sich daraus für die Gesellschaft ergeben, sind hoch. Doch das Problem lässt sich lösen, nämlich durch den Bau von Aufzügen. Sicherlich ist die Nachrüstung nicht in jedem Wohnhaus möglich. Wo es machbar ist, schwanken die Kosten zwischen 50.000 und 150.000 Euro.

Der Aufzug wurde vor rund 150 Jahren erfunden. Er hat den Städtebau, wie wir ihn heute kennen, entscheidend geprägt und die Urbanisierung vorangetrieben. Viele gesellschaftliche Probleme konnten durch Aufzüge behoben werden. Auch demografische Herausforderungen von heute lassen sich durch den Aufzug indirekt lösen.

Die Studie und ergänzende Infografiken finden Sie hier zum Download:

Aufzugsstudie

Aufzugsstudie Deutschlandkarte

Aufzugsstudie Metropolen

Aufzugsstudie Deutschlandkarte s/w